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Intensiv, befremdend, erschreckend
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Auf den Marmorklippen. (Taschenbuch) "Auf den Marmorklippen" beschreibt eine Art idealisiertes, stark komprimiertes Paneuropa, in dem grobgefaßt drei Stände leben: ein kultivierter Stand, der an der "großen Marina" lebt; ein halbarchaisches Hirtenvolk sowie im angrenzenden Wald der "Oberförster" mit seinen aus verschiedenen Gründen von der Gesellschaft ausgestoßenen Gefolgsleuten. Der Erzähler lebt mit seinem Bruder in einer Hütte "auf den Marmorklippen", wo sie weltfern abgewandt botanische Studien betreiben. Zusammen mit ihnen leben der Knabe Erio und dessen Großmutter. Die Brüder, ehedem selbst als Soldaten in einem noch altmodisch-ritterlich geführten Feldzug beteiligt, erkennen zwar den allmählichen Zerfall des Marinavolkes, der durch die geschickte Untergrabung und Ränke des "Oberförsters" unausweichlich zu sein scheint, handeln aber weiterhin nicht. Erst als sie von einem befreundeten Priester einen Hinweis auf einen Standort einer seltenen Pflanze erhalten, erkennen sie die wahre Fratze des kommenden Tyrannen. Am Ort der Pflanze befindet sich auch eine Scheune, die "Schinderhütte", die ihren Namen auf grausame Weise alle Ehre macht: abgeschlagene Hände wurden zuhauf an die Wände genagelt, deutliche Spuren von Folter und Quälerei sind erkennbar. Doch immer noch greifen die Brüder nicht ein. Erst als zwei befreundete Besucher einen Anschlag auf den Tyrannen auszuführen suchen und dabei ums Leben kommen, sehen sie sich in der Pflicht, gemeinsam mit einigen wenigen Aufrechten gegen die aufkommende Gewaltherrschaft anzutreten. Es kommt zu einem blutigen Gemetzel, das verloren geht; die Brüder können knapp und mit Glück ins Exil entkommen, um dort auf bessere Zeiten zu hoffen. Man kann dieses Werk meiner Meinung nach sehr exemplarisch für Jüngers eigene Haltung dem Totalitarismus gegenüber verstehen: Auch er stand dem aufkommenden Nationalsozialismus lange Zeit zumindest wohlwollend duldend gegenüber, ließ sich aber nicht auf eine Vereinnahmung durch die Nazis ein. Er wußte vom geplanten Attentat auf Hitler, involvierte sich hier aber ebensowenig. Er blieb distanziert-beobachtend, vielleicht war es für ihn der einzige Weg, diese Zeit unbeschadet zu überstehen. Und doch scheint mir "Auf den Marmorklippen" auch eine Art selbstreflektierende Kritik zu sein: Als der Erzähler den abgetrennten Kopf seines "edlen" Freundes erblickt, "schwur ich vor diesem Haupt mir zu, in aller Zukunft lieber mit den Freien einsam zu fallen, als mit den Knechten im Triumph zu gehn".
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 17. September 2009 | | |
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