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Eine verträumte Allegorie
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Auf den Marmorklippen. (Taschenbuch) "Auf den Marmorklippen" ist ein wahrhaft beeindruckendes Werk, welches jedoch nicht für jeden Leser ansprechend seien dürfte. In ihm beschreibt Ernst Jünger ein imaginäres Ringen zwischen Gut und Böse, Licht und Schatten, in einer erdachten Welt aus Mooren, Wiesen und Wäldern.
Zunächst gilt es den Entstehungshintergrund des Werkes zu kennen, denn "Auf den Marmorklippen" nimmt ganz entscheidend auf diesen Bezug: Es entstand zur Blüte des Faschismus und bildet eine zeitgenössische Allegorie auf dessen Aufstieg, dessen Natur und dessen Ringen mit den Mächten der Freiheit. Fast alle Personen, jedes Geschehen lässt sich abstrahieren, so dass dieses Buch von Beginn an ein Symbol sein will, ein Symbol gegen und über die Natur der aggressiven diktatorischen Systeme des 20. Jahrhunderts. Beeindruckend ist in diesem Buch vor allem die Fähigkeit Jüngers mit seiner brisanten Thematik umzugehen: Statt seine Darstellung in ein nüchternes, kaltes ja fast schon biederes Gewand zu kleiden, wie in vielen Werken anderer Autoren über den Faschismus, wählt Jünger einen gänzlich anderen Tenor aus träumerischer Leichtigkeit und surrealer Verschlungenheit. So hat vom kleinsten Käfer bis zum größten Wald alles eine ausgestaltete, träumerische Note, die wahrhaft zum Schwelgen in Naturbetrachtungen sowie in epischen Dimensionen einlädt. Jünger schafft es auf diese Weise außerdem, seiner Geschichte eine altmodische Größe zu geben, eine, die bewusst mehr sagt als nur das unbedingt zu Sagende, was "Auf den Marmorklippen" auch zu einem Buch macht, in das man sich wundervoll fallen lassen kann. Leider mag gerade diese besondere Note für viele Leser sehr abschreckend seien, denn man muss zugeben, dass Jünger einige Opfer für die Erzeugung der speziellen Atmosphäre bringt: Die Sprache mag modernen und jungen Lesern (zu) altmodisch erscheinen und vor allem zu komplex. Etwas auf vielschichtige Weise Gesagtes kann nämlich nicht nur zum Nachdenken und Schwelgen einladen, sondern in manchen Augen das Gelesene auch verwirrend und abstrus erscheinen lassen. So lässt sich feststellen, dass, wer leichte Unterhaltung sucht, sicher nicht an erster Stelle zu "Auf den Marmorklippen" greifen sollte.
Dennoch hat Ernst Jünger ein beeindruckendes Werk geschaffen, dass eine verträumte und gleichzeitige mahnende Allegorie der modernen Faschismen darstellt. So sollte jeder, egal ob er nun in reichen Bildern oder philosophischen Fragen nach Natur und Rettung vor dem "Bösen" schwelgen will, zugreifen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 10. Mai 2007 | | |
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